Neue Keramikfunde an der Landshube 2025

Im Oktober 2025 wurden weitere historische Keramiken in unmittelbarer Nähe der Landshube gefunden. Bei den Fundstücken handelt es sich um drei Mineralwasserkrüge aus der Zeit zwischen 1828 und 1857, zwei Trinkgefässe, einen Wein-Krug und eine interessante Scherbe.

Heppinger Brunnen – Bad Neuenahr

Die Familie Klauer produziert auch im Auftrag von weniger bedeutsamen Mineralwasserbrunnen Krüge. Im Gegensatz zu Niederselters, die schon früh den Ortsinitialbuchstaben und die Krugnummer des Herstellers einführen, beschränken sich die Krüge der kleineren Brunnen meist auf ein Brunnensiegel und den Namen. Die Krüge des Heppinger Brunnens tragen das runde Siegel „Heppinger M.W.“ für Heppinger Mineralwasser mit dem Siegelzeichen eines Ankers und Dreiecks als stilisiertem Segel. Das Siegelzeichen des Brunnens zeigt, dass es sich bei dem Heppinger Brunnen um einen Versandbrunnen handelt, dessen Produkte auf dem Wasserweg überregional versendet werden. Im Jahr 1828 schreibt die Königlich – Preußische Regierung die Verpachtung der unteren Quelle des Heppinger Brunnens neu aus. Die Kaufleute Elias Dhal Junior aus Koblenz und Friedrich Faulenbach aus Köln erhalten den Zuschlag.

1852 entdeckte Georg Kreuzberg eine weitere kohlensäurehaltige Quelle in Heppingen. Der Name Apollinaris ist bis heute bekannt. Das alte Siegelzeichen des Heppinger Brunnens von 1828 wurde von Georg Kreuzberg für die Apollinaris Mineralwasserkrüge in nahezu identischer Form übernommen.

Geilnauer Sauerbrunnen

Das Brunnensiegel besteht aus dem Namen „GEILNAU“ und dem Löwen mit Krone als Wappentier für das „HERZOGTHUM NASSAU“. Dieser Name wurde im mittleren Bereich des Kruges gestempelt. Der historische Mineralbrunnen befindet sich direkt am Lahnufer und gehört zur Ortsgemeinde Geilnau an der Lahn zwischen Diez und Nassau im Rhein-Lahn-Kreis gelegen. Die Mineralwasserquelle zu Geilnau war sehr wahrscheinlich bereits seit dem Mittelalter bekannt. Seine Blütezeit erlebte der Brunnen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Davon profitierten auch Phillip Klauer und seine Mutter Barbara Klauer, die die o.a. Krüge auf der Landshube zwischen 1836 und 1857 herstellten.   Die Menge der nach Geilnau gelieferten Krüge war verglichen mit Selters gering. Aufgrund der starken, weltweiten Entwicklung des benachbarten Mineralbrunnens in Fachingen („Staatlich Fachingen“), wurde die Vermarktung im Jahre 1894 eingestellt. Das „Heilwasser“ (Sauerwasser) fließt bis heute noch in Geilnau und wird von Anwohnern und Besuchern geschätzt.

Mergentheimer Karlsquelle

Brennhilfen

Auch einige Exemplare an Brennhilfen befanden sich an der Fundstelle der hier beschriebenen Keramiken. Mit dem Oberbegriff Brennhilfen werden alle Objekte zusammengefasst, die man für das Einsetzen eines Töpferofens verwendete, um die Krüge während des Brennprozesses im Ofen zu stützen, Verformungen zu vermeiden und um sicherzustellen, dass glasierte Flächen nicht an den Ofenplatten festkleben. Die hier abgebildeten Teile passen exakt auf die Schulter der gefundenen Mineralwasserkrüge der Brunnen: Heppingen, Geilnau und Mergentheim (siehe Abbildungen weiter oben).

Weinkanne

Das Gefäß ist 27,5 cm hoch. Die bauchige Form mit Henkel (Mittelteil fehlt) deutet auf eine Funktion als Kanne hin, die für Wein oder Most verwendet wurde, obwohl ein Ausgießer (Zutt) fehlt. Das kobaltblaue, handgemalte Dekor umfasst stilisierte florale Muster (Rebstock mit Weintrauben) und horizontale Streifen am Hals und Fuß der Kanne. Die Inschrift 2 M könnte sich auf das Fassungsvermögen beziehen, wobei M für Maßsteht, eine alte Volumeneinheit (heute noch für „eine Maß Bier“). Ein Maß entsprach in der Regel zwischen 1 und 2 Litern und war in vielen deutschsprachigen Regionen verbreitet, bevor es durch das heutige metrische System (1. Januar 1872) ersetzt wurde. 

Messkrug „1/2 NED . KAN“

Dieser noch gut erhaltene Steinzeugkrug (Höhe 15cm) wurde zwischen 1815 und 1857 auf der Landshube für den niederländischen Markt hergestellt. Es handelt sich um einen Messkrug mit der Prägung „1/2 NED . KAN“ und steht für eine alte niederländische Maßeinheit. Die Einheit „Nederlandse Kan“ entspricht der metrischen Einheit Liter. Der Krug fasst demnach einen halben Liter. Das Loch am oberen Rand des Kruges dient zur Befestigung einer Eichmarke.

Trinkhumpen

Humpen (Höhe 13cm)

Gefahr bei der Trockenschwindung

An der Oberseite des Henkels vieler Gefässe wurde ein Loch eingestochen oder eine Kerbe eingeritzt. Diese Eingriffe sollen die Spannung reduzieren, die während der Trockenschwindung entsteht, um einen Schrumpfriss zu verhindern.

Interessante Scherbe eines gemarkten Gefässes

Dieser Fund ist ein Fragment einer Steingutkanne oder eines bauchigen Kruges und wurde wahrscheinlich Mitte des 18. Jhd. (Familie Klauer) oder Ende 17. Jhd. (Familie Holler) auf der Landshube hergestellt. Detaillierte Informationen (hier klicken).