Die Landwirte

Was wir heute als Forsthaus Landshube bezeichnen, ist seit Anbeginn ein Gutshof. Während der über 1.000 jährigen Geschichte als „Mansus“, „Cameralgut“ oder „Domanial Hofgut“ genießt die Landshube den Status einer Domäne, also eines Staatsguts, wodurch ihre Hofmänner, häufig auch Beständer (Pächter) genannt, über Jahrhunderte auf Frondienstleistungen zurückgreifen können. So sind die ersten Bewohner der Landshube Landwirte mit ihren Ackersmännern, Mägden und Knechten, die das Ackerland und die Wiesen bearbeiten. Erst viel später werden Revierjäger und Förster erwähnt, die wiederum bis 1958 alle auch Pächter der Ländereien der Landshube sind, und die mit der Landwirtschaft eine zusätzliche, absolut notwendige Erwerbsquelle haben. Die Lage des Hofgutes Landshube mitten in einem Waldgebiet, begünstigt die Erfüllung der Aufgabenbereiche der hier wohnenden Jäger bzw. Förster. Daraus entsteht die sogenannte Residenzpflicht für Forstbeamte in ihren Revieren zu wohnen. Diese Residenzpflicht wird erst 2001 aufgelöst. Im Folgenden werden einige frühe Erwähnungen von Personen aufgezeigt:

LW1545
Peter Kleibusch wird als trierischer Leibeigener mit all seinen Kindern genannt.

Immer wieder müssen Pachtverträge über die Gebäude und Ländereien abgeschlossen werden. Ein Pachtvertrag von 1805 mit dem Förster Johann Heinrich Klauer zeigt die Größen der gepachteten Nutzungsflächen.

Seit langer Zeit herrschen Streitigkeiten zwischen Kurtrier und dem Fürstentum Wied bezüglich Irrungen der Grenzen ihrer Hoheitsgebiete. Eine sehr verwirrende Zeit für alle Beteiligten, da die kurfürstlichen Hofgebäude der Landshube sich auf wiedischer Hoheit befinden und die Jurisdiktion bei Wied liegt. Erst am 14.12.1787 wird dieser Streit durch einen Vergleich zwischen Wied und Kurtrier beigelegt. Hier zwei Beispiele für die teils heftigen Auseinandersetzungen der wiedischen Bevölkerung und dem kurtrierischen Hofmann auf der Landshube bezüglich der Weidegänge:

Zwischen 1618 und 1648 tobt der Dreißigjährige Krieg. Während dieser schlimmen Zeit wird die Bevölkerung ganzer Landstriche ausgelöscht. Auf der Landshube sehen wir 1622 wieder Peter Kleibusch erwähnt. Ob er der verstorbene Hofmann und Ehemann von Maria ist, die 1633 einen Brief von der Cameralverwaltung erhält, kann man nur vermuten. Es ist durchaus möglich, dass er im Rahmen der grausamen Plünderungen ums Leben gekommen ist, und daher seine Witwe jetzt die kurfürstliche Verwaltung bittet, den Hof Landshube weiter führen zu dürfen.

Als Hofmänner eines Domanialgutes beliefern die Landshuber Landwirte regelmäßig die kurfürstlichen Pferdestallungen in Ehrenbreitstein mit Heu. Der Status der Landshube als Domäne erklärt die große Anzahl der Personen, die die Arbeiten als Frondienstleister verrichten.

Seit 1681 finden wir Erwähnungen von Personen, die neben ihrer Tätigkeit als Hofmann und Beständer der Landshube, auch  gesonderte Aufgaben als Aufseher über Wald, Wiesen, Weiher und Jagd erhalten.

1700 erhält Leonard Holler die Aufsicht über Weiher, Wiesen und Jagd. Er erfüllt in dieser Zeit die  Aufgaben eines Försters. 

Dass die Streitigkeiten zwischen Kurtrier und Wied immer noch anhalten, und es sich im wahrsten Sinne des Wortes um Irrungen handelt, zeigt der folgende Fall:

Auch mit den Gemeinden Höhr, Hillscheid und Vallendar liegt Förster Peter Klauer (*um 1695) im Streit. Er führt gegen Vallendar einen 15 Jahre langen Prozess auf eigene Kosten. Dabei verliert er sein ganzes Vermögen.                   

Die beruflichen Tätigkeiten der Bewohner auf der Landshube sind eng an die Verpachtung der Ländereien und deren Verlängerung gebunden.

Einen besonderen Stellenwert genießt die sogenannte „Gebückswiese“ oder „Geböckswiese“, die an einigen Bereichen das „Gebück“ begleitet. Sie wird separat von den eigentlichen Ländereien der Landshube verpachtet. Dies geschieht häufig auch im Rahmen einer Versteigerung.

1805 heißt es: Das Hofgut Landshube könne eine jährliche Fruchtpacht von 21 Malter und 7 Sömmer Korn, 3 Malter und 9 Sömmer Hafer oder in Geld: 140 Reichstaler abwerfen. Kellnerei schlägt vor, das Cameralgut dem dortigen Förster Johann Heinrich Klauer für 140 Reichstaler auf 12 Jahre bis 1816, zusammen mit der Gebückswiese (20Rtl)  zu verpachten. Als Wiesenknecht der umliegenden Wiesen erhält er 30 Fuhren Heu. Die Fürstliche Hofkammer stimmt zu, Klauer die Ländereien inklusiv Gebückswiese für eine Pacht in Höhe von 160 Reichstaler zu überlassen. 1805 gibt es noch keine Obstbäume auf der Landshube.  (StAW 117 Abt. VIII b Nr. 6)

Der Vorgänger meines Vaters, Clemens Dreymann, hat als Forstbeamter die Landwirtschaft auf der Landshube noch bis zu seiner Pensionierung betrieben. Seit Ende 1958 ist Hans Groß sein Nachfolger und der erste Förster seit Jahrhunderten, in dessen Aufgabenbeschreibung jetzt die Belange der Forstwirtschaft an oberster Stelle stehen. Dieses wirtschaftliche Management gewinnt zunehmend an Bedeutung und läßt keinen Raum mehr für die Betreibung einer Landwirtschaft zu. Die Jagd und die Wildhege gehört selbstverständlich auch zu seinen Aufgaben. Was ist jetzt mit der Landwirtschaft? Wer übernimmt jetzt die Pacht der Ländereien? Es ist der Baumbacher Holz- und Landwirt Vinzenz Kuch. Er zieht 1958 mit seiner Familie in eine für ihn aufgestellte Holzbaracke östlich des Scheunen- und Stallkomplexes und nutzt vornehmlich den südlichen Bereich für eine extensive Weide- und Milchwirtschaft.

Die Karte von 1856 zeigt, dass die Flächen oberhalb der Obstbäume von den Landshuber Landwirten über Jahrhunderte intensiv als Ackerflächen genutzt werden, die sich bis zum südlichen Ende des heutigen ersten Weihers hinziehen. Östlich des Forsthauses befinden sich ebenfalls Ackerflächen. (Landeshauptarchiv Koblenz 0702_0000_00_007443_000000.tif)

Das letzte Getreidefeld wird 1960 abgeerntet. Der neue Förster Hans Groß mit seinen Söhnen Wolf-Jürgen und Detlef.

Aufgrund der beruflichen Weiterentwicklung von Vinzenz Kuch, verliert die Landwirtschaft auf der Landshube zunehmend an Bedeutung. Die südlich vom Forsthaus gelegenen Wiesen- und Weideflächen werden 1967 mit Fichten aufgeforstet, später aufgrund des sehr feuchten Bodens durch Laubhölzer ersetzt:

1973 verlässt Vinzenz Kuch mit seiner Familie die Landshube. Der alte Stall- und Scheunenkomplex wird zusammen mit der Holzbaracke  während einer Übung der Jugend-Feuerwehr kontrolliert abgebrannt. Das unter Förster Dreymann gebaute „neue“ Stallgebäude dient als Pferdestall, Heuspeicher und als Stauraum für Forstgeräte. Die Wiesen, die vorher Ackerflächen waren, und wie wir sie heute kennen, bleiben westlich und östlich des Forsthauses erhalten. Sie werden zunächst von der Familie Groß zur Heugewinnung für die eigenen Reitpferde genutzt. Die intensive Pflege der Wiesen kommt auch dem heimischen Rotwild zugute.

Brennende Südostseite (Foto Harald Fuchs)
Ansicht aus Norden (Foto Harald Fuchs)
Grundmauern der alten Stallung (Foto Harald Fuchs)