Gebück-Geböck-Geheeg-Behäng

Als „Gebück“ oder auch „Geböck“ bezeichnen wir ein natürliches Annäherungshindernis , das normalerweise nicht  zur Verteidigung dient.  Also hier eine alte Landesgrenze zwischen Isenburg-Grenzau und Kurtrier/Sayn-Wittgenstein. Die Grenzfunktion der Landwehr besteht bis 1664. Ab dieser Zeit kommen die isenburg-grenzauischen Orte Baumbach, Ransbach, Grenzau, Nauort, Breitenau und Deesen zu Kurtrier. Diese Gebietsabgrenzung erfolgt in Form eines ausgehobenen Grabens, meist eine Seite höher, wo der größte Teil des Aushubs einen Wall bildet. Auf diesem Wall pflanzt man eine undurchdringliche Hecke, vorzugsweise mit jungen Hainbuchen, deren Äste nach unten gebogen oder gebückt und miteinander verflochten werden, daher der Name „Gebück“ oder „Geböck“. Das die Gebücksgrenze auch einen gewissen Verteidigungscharakter aufweist, kann man an einem freigelassenen Sichtstreifen zwischen Wall und eigentlicher Grenze stellenweise beobachten. Diese Flächen dienen oft als Wiese bzw. Weideland, allerdings gibt es auch Hinweise auf eine ehemals agrarische Nutzung. Deutlich sichtbare Ackerraine liegen unter Wald, die wahrscheinlich vom Hofgut Landshube bearbeitet werden. (Heuser-Hildebrandt, Birgit: Auf den Spuren des historischen Tonbergbaus im Kannenbäckerland, 1995, S. 254). Diese ehemaligen Ackerflächen liegen südlich der damaligen Kiesgrube Götsch und östlich des asphaltierten Berges vom Krummen Esel nach Norden. Die Landshuber Gebückwiese wird separat, oft auch durch Versteigerung verpachtet. Andere Bezeichnungen für dieses aus „gebückten“ Buchen-Hecken abgegrenzte Gebiet sind „Geheeg“ wie beispielsweise „Landshuber Geheeg“, was der „Gebückswiese“ entspricht. 1793 liest man auch das Synonym „Landshuber Behäng“. Bereits 1402 heißt es:

Den Wall, natürlich ohne die umgebogenen Hainbuchen, erkennen wir noch heute mehr oder weniger deutlich an verschieden Stellen zwischen dem „Gashäuschen“ an der Dernbacher Straße, bis hin zum „Krummen Esel“.

Die Gebücksgrenze hat nichts mit der „Kurtrierischen Wildbanngrenze“ zu tun, die sich von Arzbach über Welschneudorf bis Ransbach  erstreckt und das Wild von den Nutzungsflächen der Bauern fernhalten soll. Wie aus der folgenden Handzeichnung aus dem Jahr 1835 ersichtlich, verläuft das Gebück (grüne Linie) von Osten, in etwa südlich von Mogendorf nach Südwesten unterhalb des Erlenhofs, kreuzt die heutige A 48 und die Straße von Baumbach nach Dernbach bis zum unteren Ende der Landshuber Weiher im Westen. Der etwas breitere Bereich der Gebückswiese unterhalb der Landshube wird hier als Landshuber Geheeg bezeichnet und als Wiese benutzt. Laut dieser Karte und einer Notiz von 1754, erstreckt sich der Gebücksgraben, stellenweise als genutzte Wiesenfläche, bis etwa in Höhe des Erlenhofs. Hier erinnert der Ransbacher Straßenname „Im Gebück“, zwischen Feuerwehr und Kindergarten gelegen, an die ehemalige Grenzeinrichtung. Das zerstörte Gebück zwischen Mogendorf und Siershahn teilte die „Gebücks-Tongruben“ in eine wiedische und kurtrierische Hälfte.

Das Geoportal-Luftbild wurde am 06.09.2021 nach dem großflächigen Fichtenabtrieb aufgenommen. Es ermöglicht einen so noch nie dagewesenen Blick auf den Verlauf des alten Gebück-Grabens und des ehemaligen Hohlwegs in der Nähe des „Krummen Esels“.

Interessant ist der tageszeitliche Moment der Aufnahme. Der südöstliche Sonnenstand wirft einen entsprechenden Schatten entlang der höheren Grabenschulter des Grabenauswurfs. So erhalten wir eine kontrastreiche Darstellung des Gebückverlaufs.

Gebückgraben 2021b
Im Frühjahr 2022 habe ich den Gebückgraben nahe des „Krummen Esels“ freigelegt.
Der aufgeräumte Gebückgraben aus südlicher Blickrichtung (2022).
Der Gebückgraben aus nördlicher Blickrichtung (2021).

Das digitale Geländemodell (DGM) beschreibt das Geländerelief ohne Pflanzenbewuchs in 3-D-Koordinaten, welche aus Laserscandaten abgeleitet wurden. Die roten Pfeile zeigen den Verlauf des Gebück-Grabens vom „Krummen Esel“ bis über die Landstraße hinaus, die von Baumbach nach Dernbach führt. Im linken Bildausschnitt sind noch Reste der ehemaligen Kiesgrube „Götsch“ zu erkennen.

Landesamt für Geologie und Bergbau Rheinland-Pfalz, Mainz

Ein zweiter Graben wurde nach den Abholzarbeiten frei sichtbar. Dieser erstreckt sich parallel zum asphaltierten Weg, der sich vom „Krummen Esel“ in nördliche Richtung zur ehemaligen „Kiesgrube Götsch“ hinaufzieht. Hierbei handelt es sich um einen alten Hohlweg, quasi der Vorgänger des heutigen Teerweges. Dieser könnte auch Teil des am 16.06.1804 erwähnten alten Römerwegs sein.