Der Landshuber Damm 1970

1970 beauftragt die Forstverwaltung verschiedene Baufirmen, Erdreich in die feuchte Talmulde im südlichen Bereich des Forsthauses zu  kippen. Man verfolgt das Ziel, wieder einen fünften Landshuber Weiher entstehen zu lassen. Dieses Mal am östlichen Rand der Wiesen, die hier schon immer sehr feucht und sumpfig waren. Dieses Gebiet ist bereits mit Fichten aufgeforstet, für die der sumpfige Boden nicht gerade geeignet ist. Der geplante Damm ist quasi die Fortsetzung und Verlängerung einer schon vor Jahrzehnten begonnenen Aufschüttung (siehe Foto). An zwei Stellen hat man den ca. 100 m langen Damm verrohrt – ungefähr in der Mitte des Dammes für ein kleines Gewässer, das aus dem Quellgebiet in der Nähe der „Metzlers Wiese“ stammt und am südlichen Ende für das Wasser des „Hintersten Baches“. Der „Hinterste Bach“ kann somit ohne Behinderung als einer der Quellbäche des „Brexbaches“ fließen.

Über diesen Damm soll nach Fertigstellung auch die jährlich stattfindende Baumbacher Wallfahrt geleitet werden, die bis zu diesem Zeitpunkt noch die alte Wegführung benutzen kann.

Blick auf den Damm aus südlicher Richtung 1976 (Foto Harald Fuchs).

Doch leider hat man die Rechnung im wahrsten Sinne des Wortes ohne den „Wirt“ gemacht. Der Wirt der damaligen „Schinderhannes-Klause“ (Neumühle) am Flürchen in Höhr-Grenzhausen, hat bereits einige Jahre zuvor einen Teich angelegt, quasi in der westlichen Verlängerung des Tales mit den vier Landshuber Weihern. Dieser wehrt sich gegen die beabsichtigte Aufstauung an der Landshube, da er einen möglichen Wassermangel für seinen Weiher befürchtet und beruft sich auf seine Wasserrechte. Bedauerlicherweise wird die Erstellung eines Sees an der Landshube aufgrund eines Missgeschicks der Landesregierung nie realisiert. Diese hat es versäumt, nach der preußischen Ära das Wasserrecht für sich zu beantragen. So wird der Damm im Laufe der Zeit zwar fertiggestellt, erfüllt jedoch leider nie seine eigentliche Aufgabe, einen großen, fünften Landshuber Weiher aufzustauen.

1988 wechselt die Neumühle ihren Besitzer, und Forstamtmann Hans Groß tritt kurz darauf im Januar 1990 in den Ruhestand. Wahrscheinlich hat danach keiner den neuen Besitzer involviert, ob dieser im Gegensatz zu dem Vorbesitzer, nichts gegen einen fünften Landshuber Weiher einzuwenden hätte. So ergibt sich die Situation „still ruht der Damm“, bis 1999 im Rahmen von Rückbaumaßnahmen einer „Defizitregulierung“ für die ICE-Trasse, der mächtige Landshuber Damm wieder abgetragen wird. Das Land Rheinland-Pfalz stellt ein Budget in Höhe von ca. 240.000 DM für solche landespflegerischen Maßnahmen rund um die Landshube zur Verfügung. Daher bestehen keine finanziellen Bedenken, die gigantischen Erdmassen von fast 15.000 Kubikmetern innerhalb von acht Wochen wieder abzutransportieren. Lediglich ein kleiner Rest ragt noch unterhalb des Forsthauses in den Bereich der Talmulde.

2003, Blick auf den Restdamm aus westlicher Richtung (Foto Harald Fuchs).

Dieses Projekt zur Gewässerrenaturierung wird vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Ernährung, Weinbau und Forsten Rheinland-Pfalz in einem „Steckbrief Naturschutzprojekt“ näher beschrieben. Es soll sich beispielsweise oberhalb des Dammes ein Kaltluftstau bilden, der zu Vegetationsstörungen führe. Durch die Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes der sumpfigen Talaue, soll u. a. der Lebensraum der bedrohten „gestreiften Quelljungfer“, eine Libellenart, gesichert werden.

Warum man nach dem Entfernen des Dammes die Talmulde wieder aufforstet, ist in sofern verwunderlich, da es mit dem Ziel, den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen, wenig zu tun hat. Zwar pflanzt man jetzt geeignete Laubhölzer wie Erlen, Weiden und Eschen anstelle von Fichten an, doch das ursprüngliche Aussehen dieser Talaue war seit Jahrhunderten ein offenes, feuchtes Weideland. Nur der Bereich des kleinen Bachlaufs im Zentrum der Mulde wurde von Pappeln, Erlen und Weiden flankiert. Heute treffen wir hier ein zumindest in der belaubten Zeit fast lichtundurchlässiges Laubwaldgebiet an.

Folgende Spekulation sei einmal erlaubt: hätte man sich nach 1989 weiter intensiv für den Erhalt der Wasserrechte zur Anlage eines neuen Weihers an der Landshube eingesetzt, so hätte man möglicherweise auch Erfolg haben können. Ein weiteres Biotop wäre entstanden. Neben dem neuen Lebensraum für viele Lebewesen wäre auch der Naherholungswert gestiegen und der „Landshuber Kastanienweg“ würde viele Bewohner heute noch erfreuen. Keiner hätte über ein Projekt der Rückbaumaßnahmen eines Dammbauwerkes nachgedacht.

Aber wie gesagt   –   alles Spekulation.