Die Krugbäcker

Neben den forst- und jagdlichen Belangen und der Bearbeitung der Ländereien, spielt das Thema Keramik eine wichtige Rolle für einige Bewohner der Landshube. Nur wenige Menschen denken bei dem Begriff „Forsthaus Landshube“ an einen über 1.000 Jahre alten Gutshof. Noch seltener verbinden sie die Landshube mit einem führenden Zentrum der Krugbäckerei in unserer Region. Gemeint ist hiermit die professionelle Herstellung und Lieferungen von Wasserkrügen im Auftrag der Mineralwasser-Brunnen z.B. in Niederselters, über einen Zeitraum von mindestens 300 Jahren. Daraus entwickelt sich besonders für die auf der Landshube alt eingesessene  Familie Klauer eine sehr wichtige, zusätzliche Einnahmequelle.

Die Wasserkrüge, die ursprünglich eine eher bauchige Form aufweisen und erst durch eine weiter entwickelte Töpfertechnik die schlanke, röhrenartige Gestalt erhalten, werden mit Mineralwasser befüllt, auch aufgrund der enthaltenen Kohlensäure, „Sauerwasser“ genannt. Der Begriff „Bitterwasser“ bezieht sich auf Heilwasser ohne Kohlensäure und wird meist in eckigen Krügen transportiert.

Keramiker (Euler) werden auf der Landshube bereits um 1650 mit Bartholomäus Stebach „Eulalia von der Landshoffen“ erwähnt, nach dessen Tod betreibt sein Sohn Hermann Stebach  das Handwerk auf der Landshube weiter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Euler schon viel früher ihr Handwerk auf dem Gutshof betreiben. 1643 organisieren sich Keramiker  in einer Gesamtzunft. Es entsteht die Zunftordnung der kurfürstlichen (katholisch) und wiedischen (protestantisch) Eulner.

Aufgrund der hohen Nachfrage an Mineralwasserkrügen (Brunnen Niederselters: 1754 – 600.000 Krüge, 1765 – 900.000 Krüge, 1775 werden 1.354.000 Krüge für den Versand hergestellt)* , wächst auch die Anzahl der Krughersteller. So wird der Verwaltungsablauf zwischen der Brunnenverwaltung und den Krugbäckern immer schwieriger. Um beispielsweise die Rückverrechnung von Ausschussmengen, oder die Bearbeitung von Mängelrügen der Kunden besser zu organisieren, führt man das sogenannte Krugbäckerzeichen ein. Bereits 1758 sieht ein Vertrag die Kennzeichnung der Krüge mit einem Brunnenstempel und einem Herstellerzeichen vor. Der meist runde Stempeleindruck des Mineralbrunnens befindet sich üblicherweise auf der Gefäßschulter und besteht bei den für Niederselters bestimmten Krügen aus dem Kreuz des Erstifts Trier und den Buchstaben „CT“, oder der Umschrift „CHURTRIER“. Ab dem 18.12.1802 ist der neue Eigentümer des Brunnens Nassau-Weilburg mit den InitialienNW“ , ab 1806 folgt das Herzogtum Nassau mit HN“ und seit 1866 folgt die „Königlich Preussische Brunnenverwaltung“. Das Herstellerzeichen beschränkt sich zunächst auf den Ortsbuchstaben. Seit 1783 werden die Orstsinitialbuchstaben ergänzt um die „Krüg-Nro“ (StAW 115 Niederselters B Nr. 171a und c).
* vgl. F. Michel, Die Geschichte des Selterser Heilbrunnen, Nassauische Analen 72, 1961, 81-125

seit 1806 Herzogthum Nassau
Seit 1866 Königlich Preussisch
"B" für Baumbach, Krugnummer 37
Baumbach, Nr. 112, Jacob Letschert 1794

Bernd Brinkmann* schreibt 1982, dass für die Jahre 1794 und 1803 die Krugbäckerzeichen des Selterser Brunnens bekannt sind. Die Angaben für 1794 beruhen auf Auflistungen der Selterser Brunnenverwaltung, die des Jahres 1803 wurden von den Zunftmeistern angelegt. * vgl. B. Brinkmann 1982, Zur Datierung von Mineralwasserflaschen aus Steinzeug, in Keramos Heft 98

Interessant ist die Tatsache, dass in beiden Listen die Landshube als eigenständiger Ort erscheint. So haben die Krugbäcker der Landshube ihre eigenen Krugnummern, neben den anderen aus Baumbach (B) oder Ransbach (R). Einen Krug oder Scherben mit dem Initialbuchstaben „L“ als Krugstempel habe ich bisher noch nicht gefunden.

1794  Landshube: Johann Klauer hat das Krugbäckerzeichen 124

1803  Landshube: Johann Klauer hat die Krugbäckerzeichen 124 und 2

1803  Landshube: Sohn Johann Heinrich Klauer hat das Krugbäckerzeichen 201

Interessant ist die Aussage in einem Text ohne Quellenangabe, dass um das Jahr 1700 der Ort Baumbach keinen eigenen Brennofen besitzt.

Der Chronist und Autor Dr. Franz Baaden macht sich eine Notiz zu diesem Artikel. Seine in Klammern geschriebene Bemerkung: „und vorher“ lässt vermuten, dass er schon auf andere Hinweise bzw. Quellen gestoßen ist, die diese Situation bestätigen.

1773 sind 37 Personen in Baumbach und auf der Landshube als Kannen- und Krugbäcker tätig.

29. Juli 1777  Johann Klauer, Revier Jäger auf der Landshube, erteilt Melchior Klauer das Meisterrecht in der Zunft der Krug- und Kannenbäcker.

Heinz Nienhaus schreibt 1986: So wurden kürzlich in Baumbach bzw. Arzbach schadhafte Krüge oder Krugfragmente gefunden, auf denen zwei bisher noch nicht bekannte relativ alte Brunnenmarken von Quellen aus Bad Ems entdeckt wurden. Die ältere der beiden Marken wurde von einem Krugfragment reproduziert, das an einem Bach in unmittelbarer Nähe des Forsthauses Landshube (Baumbach) gefunden wurde. In diesem Forsthaus produzierten nachweislich mindestens seit 1794 die Krugbäckerfamilien Klauer und später Letschert Mineralwasserkrüge. Die Umschrift der Brunnenmarke Nassau Using(en) Krenchen zu Ems gibt zu erkennen, daß dieses Krugfragment der Zeit zwischen etwa 1803 und 1815 zugeordnet werden darf. (Vgl. Nienhaus, Heinz, 1986: Funde alter „Brunnenkrüge“ als Zeugen der Geschichte, in: Der Mineralbrunnen 4/1986) 

Die Aussage, dass auch die Krugbäckerfamilie Letschert auf der Landshube Krüge hergestellt haben soll, halte ich für unwahrscheinlich. Heinz Nienhaus beruft sich auf eine Auskunft von Ernst Letschert aus Baumbach nach Urkunden aus dessen Besitz. Nach meinen Recherchen und Rücksprache mit den Nachkommen von Ernst Letschert hat es weder eine Ausübung der Krugherstellung noch eine Residenz der Familie Letschert auf der Landshube gegeben.

 
 

Eine wichtige Rolle bezüglich der Herstellung und des Vertriebs von Mineralwasser-Krügen auf der Landshube in der Zeit zwischen 1811 und 1858 spielen Barabara Klauer und ihr Sohn Philipp.

Diese Seite wird fortgesetzt …