Die Krugbäcker auf der Landshube

Neben den forst- und jagdlichen Belangen und der Bearbeitung der Ländereien, spielt das Thema Keramik eine wichtige Rolle für einige Bewohner der Landshube. Nur wenige Menschen denken bei dem Begriff „Forsthaus Landshube“ an einen über 1000 Jahre alten Gutshof. Noch seltener verbinden sie die Landshube mit einem führenden Zentrum der Krugbäckerei in unserer Region. Gemeint ist die professionelle Herstellung und Lieferung von Wasserkrügen im Auftrag der Mineralwasser-Brunnen z.B. in Niederselters, über einen Zeitraum von mindestens 300 Jahren. Daraus entwickelt sich besonders für die auf der Landshube alt eingesessene Familie Klauer (bitte klicken) eine sehr wichtige, zusätzliche Einnahmequelle.

Die Wasserkrüge, weisen ursprünglich eine eher bauchige Form auf. Hier ein Mineralwasserkrug aus kurtrierischer Zeit mit dem Stempel „HS“ für Hillscheid. Erst später erhalten die Krüge aufgrund einer weiterentwickelten Töpfertechnik ihre schlanke, röhrenartige Gestalt.

Sie werden mit Mineralwasser befüllt, wegen der enthaltenen Kohlensäure auch „Sauerwasser“ genannt. Der Begriff „Bitterwasser“ bezieht sich auf Heilwasser ohne Kohlensäure und wird meist in eckigen Krügen transportiert.

Keramiker (Euler) werden namentlich auf der Landshube bereits 1589 erwähnt. Ein Euler namens Hanns aus Höhr kauft zusammen mit dem Hofmann das Anwesen. Um 1650 liest man den Namen Bartholomäus Stebach „Eulalia von der Landshoffen“. Nach dessen Tod betreibt sein Sohn Hermann Stebach  das Handwerk auf der Landshube weiter. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Euler noch früher ihr Handwerk auf dem Gutshof ausüben. In einem abgelassenen Landshuber Weiher findet man die Scherben zweier handgewirkter, lehmglasierter Tongefäße aus dem 14./15. Jhd. (Mehr Informationen, hier klicken).

1643 organisieren sich Keramiker  in einer Gesamtzunft (bitte klicken). Es entsteht die Zunftordnung der kurfürstlichen (katholisch) und wiedischen (protestantisch) Eulner.

Aufgrund der hohen Nachfrage an Mineralwasserkrügen (Brunnen Niederselters: 1754 – 600.000 Krüge, 1765 – 900.000 Krüge, 1775 werden 1.354.000 Krüge für den Versand hergestellt)* , wächst auch die Anzahl der Krughersteller. So wird der Verwaltungsablauf zwischen der Brunnenverwaltung und den Krugbäckern immer schwieriger. Um beispielsweise die Rückverrechnung von Ausschussmengen, oder die Bearbeitung von Mängelrügen der Kunden besser zu organisieren, führt man das sogenannte Krugbäckerzeichen ein. Bereits 1758 sieht ein Vertrag die Kennzeichnung der Krüge mit einem Brunnenstempel und einem Herstellerzeichen vor. Der meist runde Stempeleindruck des Mineralbrunnens befindet sich üblicherweise auf der Gefäßschulter und besteht bei den für Niederselters bestimmten Krügen aus dem Kreuz des Erstifts Trier und den Buchstaben „CT“, oder der Umschrift „CHURTRIER“.

Ab dem 18.12.1802 ist der neue Eigentümer des Brunnens Nassau-Weilburg mit den InitialienNW“ , ab 1806 folgt das Herzogtum Nassau mit HN“ und seit 1866 die „Königlich Preussische Brunnenverwaltung“. Das Herstellerzeichen beschränkt sich zunächst auf den Ortsbuchstaben. Seit 1783 werden die Orstsinitialbuchstaben ergänzt um die „Krüg-Nro“ (StAW 115 Niederselters B Nr. 171a und c).
* vgl. Michel F., Die Geschichte des Selterser Heilbrunnen, Nassauische Analen 72, 1961, 81-125

seit 1758 Brunnenstempel: Kurfürstenthum Trier (CT)
seit 1806 Herzogthum Nassau
seit 1866 Königlich Preußisch
"B" für Baumbach, Krugnummer 37
Baumbach, Nr. 112, Jacob Letschert 1794

Bernd Brinkmann* schreibt 1982, dass für die Jahre 1794 und 1803 die Krugbäckerzeichen des Selterser Brunnens bekannt sind. Die Angaben für 1794 beruhen auf Auflistungen der Selterser Brunnenverwaltung, die des Jahres 1803 wurden von den Zunftmeistern angelegt. * vgl. B. Brinkmann 1982, Zur Datierung von Mineralwasserflaschen aus Steinzeug, in Keramos Heft 98

Interessant ist die Tatsache, dass in beiden Listen die Landshube als eigenständiger Ort erscheint. So haben die Krugbäcker der Landshube ihre eigenen Krugnummern, neben den anderen aus Baumbach (B) oder Ransbach (R). Ein graues, bauchiges Krugfragment mit dem Initialbuchstaben (L) für Landshube, wurde im Hintersten Bach südlich des Forsthauses Landshube gefunden.

(Nienhaus, Heinz, Zum Krugbäckerhandwerk im Westerwald. Vom schlichten Haushaltsgeschirr über kunstvolle Prunkgefäße zu den Brunnenkrügen, in KERAMOS, Heft 106, Düsseldorf,1984, S. 58-59)

In dem Tabellenausschnitt (bitte klicken) gibt Nienhaus (1984) Beispiele für die Entwicklung von Töpfermarken aus den bedeutendsten Krugbäckerorten des Westerwaldes. Die Marke „L“ für Landshube, mit der Krugnummer 15, bezieht sich auf das im Hintersten Bach gefundene Krugfragment.

1794  Landshube: Johann Klauer hat die Krugnummer 124

1803  Landshube: Johann Klauer hat die Krugnummern 124 und 2

1803  Landshube: Sohn Johann Heinrich Klauer hat die Krugnummer 201

Die negativen Folgen des verheerenden Dreißigjährigen Krieges sind gewaltig für die Überlebenden . Der Autor Heinrich Gerhartz schreibt im Jahr 1916: Um 1700 herum nehmen im Ransbacher Erbbuch die Geldaufnahmen auffallend zu: 1706 wird über „so geltarme Zeiten“  geklagt: 1716 verkauft die Gemeinde Ransbach Land und gibt das Geld dem Schultheiss Johannes Gerharts „wegen Kriegskösten. Auch aus der Nachbarschaft werden um diese Zeit viele Klagen laut. (Gerhartz, Heinrich in: Analen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 99, Köln 1916, S. 67-68)

Daher ist die Aussage in einem Text ohne Quellenangabe nicht verwunderlich, dass um das Jahr 1700 der Ort Baumbach keinen eigenen Brennofen besitzen soll:

Der Chronist und Autor Dr. Franz Baaden macht sich eine Notiz zu diesem Artikel. Seine in Klammern geschriebene Bemerkung: „u. vorher“ lässt vermuten, dass er wohl schon auf andere Hinweise bzw. Quellen gestoßen ist, die diese Situation bestätigen könnten.

Vermutlich ist der Sonderstatus der Landshube als Domanial-Gutshof (Kurfürstliche Domäne) der Grund dafür, dass hier ein Brennofen noch funktioniert und betrieben wird.

Einige versuchten mit eigenen Ideen die schlimme Zeit zu überstehen, oft zum Ärgernis ihrer Kollegen. So schreibt Heinrich Gerhartz: Um den bey jetziger geltklämmiger Zeit beschwerlichen Unterhalt“ zu erleichtern, hatte der Schultheiss von Ransbach seit dem Jahr 1701 auf einer ihm gehörigen Wiese Tabakspfeifenerde gegraben. Diese Erde kam nach Frankfurt und wurde von da weiter versandt. Dagegen wehrten sich die zünftigen Töpfer. (Gerhartz, Heinrich in: Analen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 99, Köln 1916, S.69)

Die Westerwälder Steinzeugindustrie benötigte erhebliche (Buchen-) Brennholzmengen für die Herstellung von Tonkrügen: der Brunnen von Niederselters hatte 1764 einen Jahresbedarf von 1 Mio. Krügen. (Hachenberg, Friedrich, 2000 Jahre Waldwirtschaft am Mittelrhein, Landesmuseum Koblenz,1992, S. 60)

Trotzdem blieb die Not unter den Töpfern zu dieser Zeit so groß, dass viele zum Bettler wurden. Die Ransbacher Krugbäcker baten deshalb im Jahr 1769  „durch höchst nothdringliche Vorstellung und fußfälligste bitte um Erlaubnis einen ofen Krüg für jeden backen zu dörfen“.(Gerhartz, Heinrich in: Analen des historischen Vereins für den Niederrhein, Heft 99, Köln 1916, S. 72)

1773 sind 37 Personen (bitte klicken) in Baumbach und auf der Landshube als Kannen- und Krugbäcker tätig.

29. Juli 1777  Johann Klauer, Revier Jäger auf der Landshube, erteilt Melchior Klauer das Meisterrecht in der Zunft der Krug- und Kannenbäcker.

Heinz Nienhaus schreibt 1986: So wurden kürzlich in Baumbach bzw. Arzbach schadhafte Krüge oder Krugfragmente gefunden, auf denen zwei bisher noch nicht bekannte relativ alte Brunnenmarken von Quellen aus Bad Ems entdeckt wurden. Die ältere der beiden Marken wurde von einem Krugfragment reproduziert, das an einem Bach in unmittelbarer Nähe des Forsthauses Landshube (Baumbach) gefunden wurde. In diesem Forsthaus produzierten nachweislich mindestens seit 1794 die Krugbäckerfamilien Klauer und später Letschert Mineralwasserkrüge. Die Umschrift der Brunnenmarke Nassau Using(en) Krenchen zu Ems gibt zu erkennen, daß dieses Krugfragment der Zeit zwischen etwa 1803 und 1815 zugeordnet werden darf. (Vgl. Nienhaus, Heinz, 1986: Funde alter „Brunnenkrüge“ als Zeugen der Geschichte, in: Der Mineralbrunnen 4/1986) 

Die Aussage, dass auch die Krugbäckerfamilie Letschert auf der Landshube Krüge hergestellt haben soll, halte ich für unwahrscheinlich. Heinz Nienhaus beruft sich auf eine Auskunft von Ernst Letschert aus Baumbach nach Urkunden aus dessen Besitz. Nach meinen Recherchen und Rücksprache mit den Nachkommen von Ernst Letschert hat es weder eine Ausübung der Krugherstellung noch eine Residenz der Familie Letschert auf der Landshube gegeben.

Eine wichtige Rolle bezüglich der Herstellung und des Vertriebs von Mineralwasser-Krügen auf der Landshube in der Zeit zwischen 1811 und 1858 spielen Barabara Klauer (bitte klicken) und ihr Sohn Philipp. Sie sind die letzten Familienmitglieder der langenjährigen „Klauer-Dynastie“, die auf der Landshube wohnen und Ende 1857 nach Baumbach ziehen.