Zwei historische Weiherfunde

Nach dem Ablassen des zweiten Landshuber Weihers (Seerosenweiher) zur Abfischung, wurden die Scherben zweier Tongefässe im flachen, westlichen Teil des Teichbodens gefunden. Es handelt sich um zwei unterschiedlich große handgewirkte, lehmglasierte Stücke. Man vermutet, dass die Gebrauchsware aufgrund der verwendeten Technik in der Zeit 14./15./16. Jhd. hergestellt wurde. Auch kann es durchaus möglich sein, dass die Gefässe von den frühen Eulern auf der Landshube stammen, da sich der Fundort unmittelbar an die Landshuber Wiesen anschließt.

Auffallend ist, dass diese Gefässe nach allen Seiten hin unregelmäßig verbreitert wurden und einen nach außen gewölbten Boden aufweisen. Die nach außen gewölbten „Linsen-“ oder „Wackelböden“ werden in der Literatur schon sehr früh erwähnt. Im Gegensatz zu den flachen Böden, die auf einer Herdplatte einen festen Stand hatten, stellte man die randlosen „Kugeltöpfe“ in die offene Glut, da sich so die Wärme besser verteilen konnte. Bei diesen Funden aus dem Landshuber Weiher handelt es sich um „Wellenfußkrüge“ bzw. „Wellenfußgefässe“. Die Form geht auf Siegburger Töpfer zurück, die ja auch im Westerwald ansässig wurden. Obwohl es sich hier um Standgefässe handelt, weisen beide Bodenfragmente einen Linsenboden auf. 2003 schreibt Thorsten Schifer in seiner Dissertation: „Die Herstellung der Siegburger Wellenfüße erfolgte durch den Ansatz eines zusätzlichen Tonwulstes an den Gefäßboden, aus dem dann der „Wellenfuß“ entstand. Vermutlich wurde zum Formen des Wellenfußes das Gefäß umgedreht und auf einem Holz befestigt, was eine Auswölbung des Bodens zur Folge hatte.“ (Schifer, Thorsten, Archäometrische Untersuchungen an Waldenburger Steinzeug, Freiberg 2003, S.21)  Eine andere Erklärung hat Reiner Keller aus Höhr-Grenzhausen: „Um den gefürchteten „S-Riss“ am Boden einer gebrannten Ware zu verhindern, stülpte man das noch ungebrannte Gefäss über einen runden Stock. Jetzt schlug man mit einem Holzgegenstand von außen auf die Unterseite des Bodens und formte den noch lederweichen Ton des Gefässbodens zu einer Wölbung. Die somit erzeugte Druckspannung im Tonfuß, verhinderte den „S-Riss“ bei der Trockenschwindung bzw. dem Brennen. Wegen der nach außen geformten Wölbung konnte das Gefäss nicht mehr stehen. Daher modellierte man den unregelmäßigen Rand wie einen Kranz um die Wölbung. Dieser sogenannte „Wellenfußboden“ ermöglichte einen stabilen Stand.“

Betrachten wir uns das größere Gefäss einmal näher, so fällt auf, dass  der Fuß auf der Innenseite regelmäßige, kreisrunde Vertiefungen aufweist. Auch ist an einem Rand des Bodens ein Tonrest  zu erkennen, der wahrscheinlich als Schlickerrest durch das Abstreifen der Hände erzeugt wurde. Die zahlreichen, runden Abdrücke im Bereich des Bodens und des Tonabfalls, läßt den Schluß zu, dass dieses noch lederweiche Gefäss auch als Abstellmöglichkeit des Stockes diente, der während des Herstellungsprozesses  zur Formung der Wölbböden der anderen Ware benutzt wurde. Dieses Exemplar hat man auch gebrannt, wohl auch benutzt und irgendwann in den zweiten Landshuber Weiher geworfen.

Auch der Boden des kleineren Gefässes ist nach außen gewölbt, und der geformte Wellenfußboden ist deutlich zu erkennen.