Vinzenz Kuch alias „Rübezahl“

Vinzenz Kuch (*19.02.1926 + 24.04.2014) aus Baumbach baut sich nach seiner Kriegsheimkehr im Jahr 1945 ein eigenes Holz-Fuhrunternehmen auf, da zwischenzeitlich einer seiner Brüder den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern übernommen hat. Mit diesem Fuhrbetrieb beliefert er unter anderem die ortsansässigen Keramiker mit Eulerholz.

Vinzenz Kuch liefert am 30.01.1954 Holz an das Sägewerk Alfons Herbst.
Als aktives Mitglied beim Feuerwehrfest in Baumbach, 1959

1958 übernimmt  Herr Kuch die Landwirtschaft auf dem Forsthaus Landshube. Dort wohnt er mit seiner Ehefrau Dora Kuch und den drei Kindern Hans-Peter, Klaus und Barbara in einer Holzbaracke, östlich vom Stall- und Scheunenkomplex gelegen. Neben der Betreibung einer extensiven Weide- und Milchwirtschaft, die in den folgenden Jahren immer weniger wird, ist er auch weiterhin im Wald der Montabaurer Höhe unter anderem als Holzrücker mit seinem Unimog tätig. 

1963 wird der Naturpark Nassau gegründet, und Herr Kuch erhält von der Kreisverwaltung Unterwesterwald in Montabaur den Auftrag, sich um die Instandhaltung dieses neu eingerichteten Naturparks zu kümmern, wie beispielsweise die Leerung der Abfallkörbe an Sitzbänken, Schutzhütten und Parkplätzen. Hinzu kommen auch bestimmte Arbeiten im 1968 gegründeten Hochwildschutzpark Gackenbach.

1958 wird der im Jahr 1943 errichtete Holzturm auf dem Köppel gesprengt. Zwischen 1964 und 1966 baut man einen neuen Aussichtsturm aus Beton. Die Einweihung findet am 19.06.1966 statt. Bereits am 01.05.1966 beginnt Vinzenz Kuch seinen Dienst auf dem Köppel als Kreisbediensteter und ist somit verantwortlich für die Sicherung der Eintrittsgelder der Drehtür als Zugang zum Aussichtsturm und die Bestückung des Getränkeautomaten im Vorbau  des Turms. Die zunehmende Anzahl der Einbrüche macht es notwendig,  dass Herr Kuch häufiger anwesend ist. Daher baut man 1971 eine kleine Hütte (4x4m) mit nur einem Tisch, um die Getränke, anstelle im Automaten, ab jetzt in der Hütte zu verkaufen und die Tageseinnahmen zu sichern. Zu einer weiteren Reduzierung der Einbruchszahlen kommt es nach dem Einzug der Bundeswehr (Luftwaffe) in die oberste, verglaste Plattform des Köppelturms, die sich auch an den Baukosten des Turms beteiligt.

1943 - 1958 (Foto Harald Fuchs)
1964 - 1966 (Foto Harald Fuchs)
Ostansicht der ersten Köppelhütte 1971 (Foto Fam. Kuch)
Westansicht der ersten Köppelhütte 1971 (Foto Fam. Kuch)

Das ist der Übergang vom Land- und Holzwirt zum Gastwirt. Vinzenz Kuch beginnt mit der Bildung seiner Marke. Er lässt sich einen Bart wachsen, in dem laut seiner Aussage „auch schon einmal Rotkehlchen brüten wollten“ und bezieht sich auf die Herkunft seiner Frau Dora aus dem Erzgebirge. Sein Markenname „Rübezahl“ ist geboren.

Keiner ahnt zu dieser Zeit, dass er mit diesem Namen und seinem neuen äußeren Erscheinungsbild schnell über die Landesgrenzen bekannt wird. Mit dazu beigetragen haben der „Aschenbraten“,  der Köppelgeist, der „Heidelbeerwein“ und  seine schon bald  erschienene Single mit dem Köppellied, selbstverständlich mit den dazu gehörigen Autogrammkarten.  Auch Kutsch- und Schlittenfahrten erweitern das  Spektrum seiner Dienstleistungen.

(Foto Fam. Kuch)
Aschenbraten mit Brötchen und Meerrettich
(Foto Harald Fuchs)
(Foto Harald Fuchs)
Das gibt es nur hier oben auf dem Berg.
Die Krug-Zapfanlage ist eine Einzelanfertigung der Töpferei Girmscheid in Höhr-Grenzhausen.
Rübezahl mit Ehefrau Dora Kuch (Foto Harald Fuchs)

Es dauert nicht lange, und die erste Hütte ist zu klein. 1973 wird eine neue Hütte errichtet, die 50 Personen Platz bietet. Im Sommer dieses Jahres zieht Vinzenz Kuch mit seiner Familie vom Holzhaus auf der Landshube in das neu erstellte Fertighaus unterhalb des Köppelturms auf der östlichen Bergseite. Hier bereitet Ehefrau Dora die Aschenbraten vor. 1979 wird auch der Gastraum der neuen Hütte erweitert, in dem man den äußeren Freisitz in den inneren Bereich integriert.

(Foto Harald Fuchs)
(Foto Harald Fuchs)

Gäste aus aller Welt, Prominente aus Politik und Showbusiness tragen sich in die Gästebücher ein, deren Anzahl mittlerweile eine fast unüberschaubare Größe annimmt.

Vinzenz Kuch mit Berglegende Luis Trenker
Das Rübezahl-Wandbild auf der rechten Seite wurde vom Chronist Detlef Groß gemalt.

Neben der geschickten Vermarktung der Person „Rübezahl“  mit seinen „Zwergen“, trägt Frau Irmgard Groß, Ehefrau des Forstamtmanns Hans Groß von der Landshube, wesentlich dazu bei, dass die Hüttengastronomie über Jahre in einem niveauvollen Stil so erfolgreich ist. 

Selbstverständlich haben auch alle anderen Köppelgeistermit ihren fleißigen Händen einen riesen Anteil am Erfolg des Unternehmens.

Das von Detlef Groß gezeichnete Bild ist ein Weihnachtsgeschenk, 1972.

1990 tritt auch für Vinzenz Kuch die „Hüttenruhe“ für immer ein. Er beendet seinen Dienst als Hüttenwirt und bleibt in seinem Haus unterhalb des Köppels wohnen. Hier schließt sich der Kreis seines beruflichen Werdegangs und seiner Leidenschaft. Er führt wieder Holzrückarbeiten in freier Natur durch und besinnt sich seiner ersten Zugmaschine als treuer Begleiter über fast 50 Jahre.

Seine Frau Dora stirbt 2009, und Vinzenz Kuch lebt allein in seinem Haus weiter, in welchem er auch am 24.04.2014 stirbt. Das Haus hat man leider mittlerweile abgerissen, doch der Geist des „Rübezahls“ wacht für immer an diesem schönen Ort.