Die Geschichte des Hofgutes und Forsthauses Landshube
Historische Wege und verschwundene Ortschaften
Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder auf Textstellen und Karten gestoßen, die Hinweise auf sehr alte Wegbeschreibungen geben. In den meisten Fällen sind die historischen Wegführungen auch heute noch mehr oder weniger gut erhalten. Die Bezeichnungen dieser Wege existieren allerdings nicht mehr bzw. haben sich im Laufe der Jahrhunderte geändert.
Dieser Weg wird bereits im Jahr 1402 als „Wirgisch Weg“erwähnt.
In der Karte aus den Jahren 1803-1820 (Tranchot/von Müffling) wird dieser Weg als Teil einer Straße angegeben, die von Vallendar über Höhr, das „Gashäuschen“, die heutige Straße von Baumbach in Richtung Dernbach und zwischen diesem Ort und Horressen nach Montabaur führt. Auch in der Preussischen Kartenaufnahme von 1843 – 1878 liest man „Alte Vallendarer Strasse“.
Verschwundene Ortschaften
Wege und Straßen können im Laufe der Zeit ihre Namen ändern oder diese sogar verlieren. Besonders Waldwege haben in vielen Fällen ihre Wegführung beibehalten, allerdings weisen sie heute keine entsprechenden Bezeichnungen mehr auf. In zahlreichen mir zugänglichen Kartendarstellungen über einen Zeitraum zwischen 1621 und 1818 sind mir besonders fünf Siedlungen aufgefallen, die in Kartenwerken ab dem Jahr 1819 nicht mehr existieren. Diese befanden sich in einem Gebiet zwischen den Anhöhen Köppel, Alarmstange, Lippersberg und Biebrichs-Kopf in südlich exponierter Lage der Montabaurer Höhe. Es handelt sich um die Wüstungen „Grimberg“, „Lipperberg“, „Biberich“ und ab 1762 auch die Siedlungen „Ombach“ und „Horest“. Die Schreibweise variiert im Laufe der Zeit: „Grimperg“, „Lippersberg“ oder „Lippersbergh“ und „Bieberich“ seit 1767. Die Ortsnamen Lippersberg und Biebrich kennen wir heute von den gleichnamigen, kuppenförmigen Anhöhen „Lippers-Berg“ (534m) und „Biebrichs-Kopf“ (454m). Grimberg könnte eine Ansiedlung auf der 541 Meter hohen Erhebung zwischen dem Köppel (540m) und der westlich davon gelegenen Alarmstange (546m) gewesen sein.
Kaum vorstellbar, dass sich in dieser Region, wie wir sie heute kennen, Menschen angesiedelt hatten. Von der Art und Weise, mit welchen Symbolen diese Orte in den einzelnen Karten eingezeichnet sind, kann man durchaus auf den Siedlungscharakter schließen. In dieser Übersichtskarte habe ich die Symbole aus der weiter unten abgebildeten Dünzfeld-Karte aus dem Jahr 1772 verwendet. Mit Ausnahme der ehemaligen Orte Ombach und Horest befinden sich die drei anderen Siedlungen entweder auf der Spitze ( „Biberich“ und „Grimperg“) oder am Fuße ( „Lipperberg“ ) einer kuppenförmigen Erhebung des Montabaurer Höhenzugs. Dieses verdeutlichen besonders die Kartenausschnitte der Jahre 1621, 1645, 1762, 1767 und 1772. Der Kupferstich aus dem Jahr 1645 ähnelt sehr stark der Karte von 1621.
Ab dem Kartenwerk aus dem Jahr 1762 fallen zwei weitere Siedlungen auf: „Ombach“ und „Horest“. Letztere erinnert an die heutige Ortschaft Horressen bei Montabaur, hat damit allerdings nichts zu tun. In der Karte vom Herzogthum Nassau von 1819 erscheint „Horressen“ in den Erläuterungen zu den enthaltenen topographischen Objekten unter dem Begriff Dörfer (Kartensegment B2) und „Horest“ als Siedlung (Segment B1), obwohl der Name nicht eingezeichnet ist.
Der damalige Revierförster Jaspert, wohnhaft in Elgendorf, berichtet in einem Artikel der Westerwälder Zeitung vom 26.07.1963 über drei ehemalige Dörfer, die vor dem Dreißigjährigen Krieg existiert hatten. Er nennt die Namen der Dörfer: „Lippersberg“, „Biberich“und „Greifsberg“ (er meint wohl den Ort „Grimberg“), die seiner Meinung nach durch den verheerenden Krieg zerstört wurden. Das halte ich für unwahrscheinlich, da der Dreißigjährige Krieg 1648 zu Ende war, und diese drei Ortschaften in zahlreichen Karten noch bis 1818 eingezeichnet sind. Selbst wenn man berücksichtigt, dass überholte Karteneinträge in neuen Kartenauflagen noch lange „nachleben“ können, so sind das doch immerhin 170 Jahre. Die Karte vom Herzogthum Nassau aus dem Jahr 1819 verzeichnet nur noch die Namen der Wüstungen Lippersberg und Biebrich als Flurnamen. Die Siedlung „Horest“ wird in den Kartenerläuterungen noch genannt.
Ab diesem Datum bis zu den heutigen Kartenwerken erinnern nur noch die Eintragungen „Lippers-B.“ und „Biebrichs-Kpf.“ an die ehemaligen Siedlungen, die sehr wahrscheinlich die Namensgeber für diese beiden Erhebungen der Montabaurer Höhe waren. Die Etymologie des Namens Biebrich könnte durchaus auf eine befestigte Anlage aus der Römerzeit hinweisen, zumal in unmittelbarer Nähe der römisch-rätische Limes verlief.
Für mich steht fest: Ab heute nenne ich die namenlose 541 Meter hohe Anhebung zwischen Köppel und Alarmstange …